Tippspiel: Endstand

So. Die EM ist vorüber. Heute soll es angeblich noch ein Spiel geben: Spanien gegen Italien. Mir ist davon nichts bekannt. Sollte es tatsächlich stattfinden, dann ohne mich. Warum sollte ich mir ein Fußballspiel zwischen einer strunzlangweiligen und einer Mannschaft, die ich nicht leiden kann, anschauen? Ich schaue mir kein Fußballspiel an, bei dem ich nicht parteiisch sein kann. Macht keinen Sinn. Da lese ich lieber. Oder gucke einen Katastrophenfilm. Auch weil wir hier gestern eine schlimme Katastrophe hatten. Gegen 9 Uhr am Abend verdunkelte sich der Himmel innerhalb weniger Minuten, es herrschte stockdunkle Nacht, und ein Gewitter rollte heran, wie es unsere Stadt noch nicht erlebt hat. Ein Orkan tobte los, die Blitze zuckten im Millisekundentakt, und Thor schmiss seinen Hammer immer wieder und immer wieder auf unsere kleine Stadt. Dazu regnete es sintflutartig. Das Wasser drückte sogar in mein Zimmer. Und das ist im 2. Stock. Die Ragnarök ging in dieser Heftigkeit weit mehr als eine Stunde. Feuerwehr, Krankenwagen, Lalülalü die ganze Zeit. Offensichtlich gab es mehrere Verletzte durch umherfliegende Gegenstände und umstürzende Neubauten… nee Quatsch… Bäume. Der Dwarf weilte zu der Zeit natürlich auf dem Altstadtfest. Alle aus der Dwarfsippschaft müssen jedes Jahr mindestens einmal – egal wie – auf dieses Fest. Sonst wird man von der Sippe verstoßen. Gott sei Dank kam sie, nachdem das Unwetter in ein normales Gewitter überging, völlig durchnässt nach Hause. Heute Morgen hat sie schon eine partielle Stadtbesichtigung gemacht und berichtet, es würde überall wie nach einem Luftangriff aussehen.
Die Italiener sollen den Spaniern heute Abend tüschtsch in den Arsch treten. Auch wenn ich sie nicht leiden kann, spielen sie dennoch wesentlich aufregender als die Zitronenschüttler. Die größte Frechheit ist das Geschwätz der Journaille, wir hätten diese langweilige EM dem FC Chelsea zu verdanken. Weil der gezeigt hätte, wie man das »herrliche« Spiel der Spanier zerstören kann. Ja, langweilig war sie, diese EM. Das langweiligste Turnier, an das ich mich erinnern kann. Mit der höchsten Einpennquote ever. Und den üblichen Verdächtigen in der Finalrunde. Keine Skandale. Keine Geschichten. Höchstens der Elfmeter von Pirlo. Von einem Italiener. Keine herausragenden (nicht nach Können, sondern nach ‘ragen’) Spieler. Balotelli vielleicht. Noch ein Italiener. Das sagt schon alles. Und die Deutschen? Ich weiß nicht, was das Geflenne soll? Im Halbfinale gegen Italien rausgeflogen. Was ist daran so schlimm? Löw soll zurücktreten? Mann, erstickt doch an euren verfluchten BILD-Zeitungen. Und zur gleichen Zeit verhökert die Merkel unsere Kohle irgendwo auf dem Erdball. Da regt sich keiner drüber auf. Dass uns ein »Neger« abgeschossen hat, toppt alles in diesem Land. Die deutsche Gehirnpygmäenzucht in Höchstform, Leistungszentrum Heringsdorf.
Heute Abend vielleicht noch 1 Korso, dann kehrt hier hoffentlich wieder Ruhe ein.
Deutschland – Italien
Ich hatte heute einen Arbeitstag, der nicht von dieser Welt war. Schätzungsweise 50 Grad Celcius bei 150% relativer Luftfeuchte. Würde mich heute Abend jemand aufstellen, dann bitte nur als Innenverteidiger mit Gegenspieler Balotelli. Der Ball wäre nicht mal 60 Sekunden im Spiel, und der Balotelli würde vom Platz fliegen. Ich habe nach dem Abi 1 1/2 Jahre bei unserem hiesigen Motorsägenheini mit Italienern zusammengearbeitet. Aus Neapel, Kalabrien, Apulien, Sizilien und sonstwo. Ich kenne italienische Schimpfwörter, die wahrscheinlich nicht mal alle Italiener kennen. Nicht solchen Kinderkram wie Hurensohn, Schwanzkopf, Che Cazzo oder ähnlichen Scheiß. Ich kenne die richtig derben Sachen. Die schlimmsten italienischen Schimpfwörter haben mit den Toten zu tun, den eigenen Familienmitgliedern, die bereits unter der Erde liegen. Wer sich da ran wagt, riskiert sein Leben. Je weiter südlich, um so riskanter. Balotelli stammt aus Palermo, Sizilien. Ich laufe also nach dem Anstoß der Italiener direkt zu meinem Gegenspieler und flüstere ihm eins. Niemand bekommt das mit. Klar, kennt mich ja auch keiner. Haha. Dann geht alles ganz schnell. Alle italienischen Spieler zzgl. Ersatzbank und Betreuerstab müssen Balotelli von mir wegziehen. Es gibt 4 rote Karten. Balotelli, Buffon, Pirlo und Redunzl…
Na ja, lassen wir das. Ich habe das Spiel noch nicht getippt. Weil ich nicht weiß, was ich tippen soll. Ich könnte auch in ein Tanzcafé gehen. Oder mir irgendwo ein Bratschenkonzert anhören. Donnerstagabends wahrscheinlich eher mal schwierig. »Fällt aus wegen Fußball!« Walters Fritz lief bei solchen Spielen früher um sein Haus, und sein Eheweib »Italia« musste aus dem Fenster shouten, wenn ein Tor fiel. Mein Oppa verbrachte solche Spiele komplett vor dem Fernseher stehend, wie ein Ochse brüllend. Bis in seine 90er.
Hand aufs Herz, heute Abend hat doch jeder Schiss, dass das Spiel gegen die Spaghettis schief geht. Vielleicht braucht es das, auch bei den Spielern. Mut hat bekanntlich nur der, der die Angst kennt. ALSO RAN, JUNGS: HAUT DIE SPAGHETTIS WEG! HAUT DEN BUFFON MIT DEM BALL HINTER DIE TORLINIE! NEHMT EUCH IHRE FRISUREN VOR!
Meine Nerven…
Portugal – Spanien
Zu sagen, man sei für Portugal geht nicht. Ich will einfach nur nicht, dass die Spanier gewinnen. Der lahmarschige Kick gegen die lahmarschigen Franzosen hat mir die Lust am spanischen Fußball vollends genommen. So was will ich nicht im Endspiel haben. Dann guck’ ich’s einfach nicht. Spanien gegen Italien? Wen interessiert DAS denn? Niemanden. Geht es gegen die Deutschen, mach’ ich mir mit Filzer drei winzige Punkte in schwarz, rot und gelb auf den Handrücken und brülle die Adler wie ein Ochse zum Europameister. Sollte das nicht eintreten, werden Montag früh Schlag 9 Uhr sämtliche spanischen Kredite fristlos zur Zahlung gestellt. Inklusive Zins und Zinseszins. Sollte es zu irgendwelchen Irritationen jenseits der Pyrenäen kommen, darf der spanische Botschafter gerne bei mir vorstellig werden. Kann er sogar seine Königin mitbringen, den bröseligen Weggucker.
Am Wochenende ist bei uns Altstadtfest. Da gibt es jedes Jahr einen spanischen Stand. Inklusive Paella aus der 3Meter50-im-Durchmesser-Pfanne und anderes iberisches Zeugs. Mit Hühnerfüßen, Fischgräten und anderen erstickungsfördernden Zutaten. Früher haben sie dort auch gesungen. Das wurde aber im Interesse aller irgendwann eingestellt. Neben den Spaniern haben die Bundeswehr-Reservisten ihren paramilitärischen Gefechtsstand inklusive Kantine aufgebaut. Jedes Jahr. Mit allem Pipapo. Dorten fließt der Alkohol hektoliterweise. Durch Zapfhähne, die den Zustand GESCHLOSSEN nicht kennen. Und das dortige Publikum befindet sich NICHT in der politischen Mitte. Heißt das Endspiel Deutschland gegen Spanien, und die Temperaturen lechzen auf ähnlichem Niveau wie heute, laufen dort bereits am frühen Nachmittag mehrere Kompanien filmrissiger Offiziere und Unteroffiziere der Reserve Amok. Sollte sich das abendliche Spiel zugunsten der Spanier neigen, sehe ich dort ein unkontrollierbares Unwetter heraufziehen. Genau zwischen den beiden Staatsgebieten befand sich in den letzten Jahren immer ein kleiner Stand irgendwelcher protestantischer Bibelheinis. Mit langweiligem Kuchen, langweiligen Sprüchen und ebenso langweiligen Weibern Leuten. Ich glaube nicht, dass die volltrunkenen Divisionen unserer Wehrmacht d.R. auf ihrem Spanien-Feldzug einen Bogen der Toleranz um diese kleine Insel der Nächstenliebe schlagen werden. Ich fürchte das Schlimmste…
Tja, und morgen? Das macht mir schon seit Tagen Bauchzwicken. Ausgerechnet gegen die Spaghettis. Egal gegen wen, nur nicht gegen die Spaghettis. Ich persönlich glaube an ein abgekartetes Spiel. Beteiligt: Platini, sämtliche englischen Elfmeterschützen Halbfinale WM 1990, Halbfinale EM 1996, Viertelfinale EM 2004 gegen Portugal und Viertelfinale EM 2012 gegen Spaghettiland. Es gibt weitere Drahtzieher, die ich hier an dieser Stelle nicht nennen kann. Bis später dann…